Aktuelles aus der Gemeindeakademie


"Damit es gut wird!"

Auf dem Weg zur Landesstellenplanung wird es im Frühjahr eine landeskirchliche Handreichung für die Dekanate mit Impulsen zur Konzeptentwicklung geben. Hieraus vorab ein Interview mit Dr. Susanne Schatz, Leiterin der Gemeindeakademie Rummelsberg, zur Frage: Wie sollen wir jetzt konkret anfangen bei uns im Dekanatsbezirk?

Wenn diese Broschüre in den Dekanatsbezirken ankommt – wie soll man dann anfangen? Was ist Ihr Rat, Frau Schatz?

Als allererstes braucht es einen Fahrplan. Ich schlage vor, dass sich Dekan*in, stellvertretende Dekan*n, Senior*in und die Präsiden der Dekanatssynode mal zusammensetzen und einen Plan machen. Welche Schritte gehen wir? Wen brauchen wir dafür? Diesen Plan besprechen sie dann im Dekanatsausschuss.

Von der Gemeindeakademie schlagen wir einen 3er-Schritt vor: Hinschauen – Gewichten – Entscheiden und Handeln. Im ersten Schritt geht es darum hinzuschauen und hinzuhören: „Was ist für die Menschen hier am Ort wichtig? Was beschäftigt sie? Was brauchen sie von Kirche?“ Zu Beginn steht die Frage: von wem und wie können wir hier gute Antworten bekommen?

Diesen Plan macht das Leitungsteam im Dekanatsbezirk allein – oder gibt es Hilfe?

Also wenn Sie die Gemeindeakademie brauchen, dann bekommen Sie von uns Unterstützung, um die Planung gut hinzubekommen.

Ganz praktisch: Wie fordert man diese Unterstützung an?

Schlicht eine Anfrage an uns: Wir brauchen Unterstützung. Wir stellen ein 2er Team von Gemeindeberatern zusammen, machen einen Termin mit Ihnen aus und kommen. Wir überlegen mit Ihnen: Wo stehen wir? Was brauchen wir? Was ist der erste Schritt?

Kommen die Berater nur für eine Sitzung?

Wenn es gut geplant ist, können die Dekanatsgremien die meisten Schritte auch selber gehen. Und wenn sie in der Durchführung mehr Begleitung oder Moderation brauchen, kommen die Berater gerne auch häufiger.

Ich habe gehört, es gibt nicht nur Unterstützung von der Gemeindeakademie, sondern auch von anderen, richtig?

Ja. Es gibt auch Unterstützung vom Amt für Gemeindedienst, vom Amt für Jugendarbeit, vom Gottesdienstinstitut und von den Fachabteilungen im Landeskirchenamt. Die Gemeindeakademie unterstützt eher bei der Prozessplanung und -durchführung, die Facheinrichtungen eher bei der inhaltlichen Konzeptentwicklung. Praktisch geht das Hand in Hand. Wenn Sie z.B. für Ihren Dekanatsbezirk festgestellt haben: ein Kernthema für die Zukunft unserer Menschen hier ist die Weitergabe des Evangeliums an die junge Generation, dann hilft ihnen das Amt für Jugendarbeit, da Ihr Konzept weiterzuentwickeln.

Aber diese Fragen stehen ja nicht am Anfang, oder?

Nein. Am Anfang steht Hinschauen und Hinhören. Und auch in diesem Schritt können Sie sich fragen: „Kann uns das Wissen der Facheinrichtungen dabei helfen?“.

Worauf muss man achten, damit der Prozess im Dekanatsbezirk gut läuft?

Ich glaube, Sie brauchen von Anfang an hohe Transparenz und viel Kommunikation. Es muss allen klar sein: Wer tut hier was und wann? Wer hat welche Rollen? Wer wird an welcher Stelle einbezogen? Wer wird entscheiden?

Wer muss das alles wissen? Wer muss informiert werden?

Die Hauptamtlichen, die Nebenamtlichen und Ehrenamtlichen im Dekanatsbezirk, alle Mitarbeitenden in den Gemeinden und in den dekanatsweiten Diensten. Am leichtesten sind die Infos einzuspielen über die Dekanatssynoden oder dekanatsweite KV-Tage und Pfarrkonferenzen. Sie alle müssen ein Bild haben von: Was haben wir vor? Wer wird an welcher Stelle beteiligt? Wer wird an welcher Stelle informiert? Wer wird entscheiden?

Und dann bauchen Sie in der Planung ein atmendes System: Es werden – etwa in einem Workshop - viele Menschen einbezogen und entwickeln Ideen. Danach braucht es ein kleines Team, das diese Ergebnisse bündelt. Hier empfiehlt es sich, eine Projektgruppe einzurichten, die den Auftrag bekommt zu steuern. Nicht zu entscheiden – das liegt beim Dekanatsausschuss - aber zu steuern. So können Sie breite Beteiligung organisieren, haben aber auch immer wieder einen Knotenpunkt, wo Sie die Beiträge der Beteiligung gut bündeln können.

…und das dann wieder zu kommunizieren…

Ganz genau. Sie brauchen von der Kultur her die Erlaubnis, auch mal weit zu denken, offen und vielleicht auch schräg zu denken, ohne dass sofort gesagt wird: Das geht nicht, weil … Und dann brauchen Sie Rückkopplungsschleifen. Dann geben Sie die Ideen beispielsweise in die Kirchenvorstände und fragen: Wäre das für euch vorstellbar? Oder habt ihr andere Ideen? Die drei Schritte sind also: Weit denken – bündeln – an die Player rückkoppeln. Mit den Rückmeldungen weiter denken …

Noch etwas, das zum Gelingen beiträgt?

Ich denke, jetzt besteht eine Chance darin, nicht mehr nur von der bisherigen Struktur der Kirche her zu denken, sondern von den Menschen im Sozialraum. Gut wird es, wenn Sie auch die Perspektive von Menschen einbeziehen, die die Kirche von außen wahrnehmen. Also sich Gäste aus der Politik einzuladen, aus dem Journalismus, aus Bildung, aus dem sozialen Bereich. Oder mal hingehen und fragen: Wie nehmt ihr Kirche wahr? Was sind Themen, die bei euch wichtig werden, wo können wir als Kirche etwas dazu beitragen? Also nicht nur bei sich selber zu bleiben, sondern sich mit anderen zu fragen: Wofür wollen wir da sein? Das ist im Moment eine Riesenchance. Die Öffnung nach außen brauchen wir, damit es gut wird.

(Die Fragen stellte Johannes Minkus)

Links zum Thema:

 

 

"Blockbildung im Kirchenraum" beim Einführungsgottesdienst von Rainer Fuchs, Sabine Hirschmann und Markus Hildebrandt Rambe als Studienleiter*innen an der Gemeindeakademie

Am 19. Oktober 2019 wurden drei neue Studienleiter*innen durch Dr. Susanne Schatz (Leiterin der Gemeindeakademie), Martin Neukamm (Senior der Rummelsberger Bruderschaft) und Kirchenrat Michael Wolf (Landeskirchenamt Referat Gemeindeentwicklung) in ihren Dienst eingeführt. 

Die Gottesdienstteilnehmenden wurden zunächst von Absperrbändern zwischen vier Sitzblöcken in der Rummelsberger Philippuskirche überrascht. Doch die inszenierten Abgrenzungen, die für Blockbildungen in den Köpfen und im Alltag von Gesellschaft und Kirche standen, wurden im Laufe des Gottesdienstes aufbebrochen - unter anderem mit für die Arbeitsweise der Gemeindeakademie typischen Methoden von Aufstellung und perspektivändernden Fragen - und schließlich in einem großen Abendmahlskreis aufgelöst.

Musikalisch-schwungvoll begleitete den Gottesdienst das Ensemble "Cantella" mit Ulrich und Thomas Reuter sowie Wolfgang Gölkel und Leonidas Kalavrouziotis. Statt Grußworten gab es beim anschließenden Empfang im großen Saal der Gemeindeakademie kurze Interviews mit bisherigen Wegbegleiter*innen der drei Neuen - und fröhliche Begegnungen beim Flying Buffet.

 

 

Einführung von Dr. Susanne Schatz als Leiterin der Gemeindeakademie 

Am 8. September 2019 wurde Dr. Susanne Schatz von Oberkirchenrat Michael Martin in einem festlichen Gottesdienst als Leiterin der Gemeindeakademie eingeführt.

In ihrer Predigt stellte sie die Frage: "Wie sehen wir unsere Kirche in diesen Zeiten? Mit welchen Frames reden wir über sie? Ist der Frame "Niedergang einer alten Institution" oder "Quelle lebendigen Wassers"? Ist der Frame "Kampf ums Überleben" oder "Geist der Leben schenkt"?
Reframing in dem Sinn, wie er in den Geschichten Jesu zu finden ist, heißt für Susanne Schatz: "Situationen öffnen, herausholen aus der Eindeutigkeit und Festlegung, weil mit Gottes Geist und seiner Gegenwart zu rechnen ist".

Ihren (Stellen-)wechsel rahmten viele Gäste aus der bayerischen Landeskirche, aus befreundeten Einrichtungen der EKD, musikalisch die Gruppe "Rostlos" und das größer gewordene Team aus der Gemeindeakademie.